Ich bin mehr als nur mein JOB!


 

 "Was willst du sein, wenn du groß bist?" oder  „Wie geht's Dir, was machst Du?"

Dies sind die Fragen, die uns unser ganzes Leben lang gestellt werden. Wenn wir Kinder sind, fragt jeder immer nach der Zukunft. Sie fragen aufgeregt: "Was wirst du tun?" Der Untertext dieser Fragen lautet: „Wie wirst Du in der Gesellschaft produktiv sein? Wie wirst Du zum Gemeinwohl und zur Gesellschaft beitragen? " Die ganze Zeit als Kinder diese Fragen gestellt zu bekommen, machte uns zu den Erwachsenen, die wir heute sind. Ohne es zu bemerken, haben uns diese Fragen unbewusst beeinflusst, das zu werden und genau das zu tun, was von uns erwartet wurde. Stattdessen hätten wir lieber einmal fragen sollen: "Wer bist du? Und was trägst Du zum Gemeinwohl bei?"

Sind wir doch mal ehrlich, meist verbinden wir doch unsere Selbstidentität, mit dem was wir tun, also unserem Job. Wir sagen Dinge wie: "Ich bin Anwalt." "Ich bin Schlosser." "Ich bin ein Lehrer." Wir sagen nicht: "Ich praktiziere Recht." „Ich repariere Maschinen. "Ich unterrichte." Wir legen den Schwerpunkt auf den Job und nicht auf das Ich. Aber ist das wirklich schon alles? Als ich aufwuchs wurde ich recht schnell mit dem wahren Leben konfrontiert. "Du musst was lernen und Du brauchst einen guten soliden Job, wenn Du ein vollwertiges Mitglied in der Gesellschaft werden willst!" hieß es immer. Und aufgrund dessen suchte ich mir eine Lehere in einem Beruf aus, der mir vom ersten Tag an mießfiel und ich etwas tun musste, was für mich keinerlei höheren Sinn ergab.

Ich frage mich gerade, wievielen Menschen es noch genauso geht und ging wie mir. Wieviele tun das was sie tun, nur um die Frage beantworten zu können: "Wer bist Du und was machst Du?" und um nicht als jemand zu gelten, der kein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft ist. Oder soll ich besser sagen, vollwertiges Mitglied des Systems? Unzufriedenheit ist vorprogrammiert, wenn wir uns nur noch mit unserem Job identifizieren und nicht mit dem was uns wirklich ausmacht.

"Wie geht's, was machst Du?" Ganz ehrlich, ich habe mir lange Zeit schwer getan, zu erklären, dass ich mehr bin als nur Maschinenschlosser. Ich war im Grunde im System gefangen, nach aussen immer etwas zu scheinen, was ich nicht wirklich war. Denn im Grunde meiner Seele, war ich nie ein Maschinenschlosser sondern immer ein Freigeist. Aber ich war so beschäftigt und müde vom Versuch, in dem Beruf zu arbeiten, in dem ich niemals arbeiten wollte, dass ich mich selbst vergaß. Ich funktionierte nur noch.

Als ich anfing das alles zu hinterfragen und mich nicht mehr nur als Maschinenschlosser definieren konnte und wollte, wurde ich desillusioniert. Wenn ich kein Maschinenschlosser war, was war ich dann? Meine Unzufriedenheit wuchs. Ich wurde immer wütender auf das gesamte System. Ich fühlte mich ge- und verbraucht. Ja fast wertlos. Die Welt war nichts als nur anpassen und Geld verdienen. Ich würde niemals jemand sein, wenn ich mich nicht selbst verraten und verkaufen und ihr Spiel mitspielen würde. Doch ich war an einem Punkt nicht mehr bereit, das Spiel zu mit zu spielen. Ich begann zu erkennen, dass dieses System seelenlos war. Von der Gesellschaft und Unternehmen diktiert, die so viel wie möglich mit und an mir verdienen wollten.

Ich wurde also nicht nach meinem wahren Wert und Bedürfnis in der Welt ausgewählt, sondern nur womit sie das meiste Geld verdienen würden. Sie profitierten von mir und den Opfern der Arbeiter unter dem Strich, die als verfügbar angesehen wurden. Unternehmer verdienten Millionen, und ich verdiente den Mindestlohn, aber ich hatte nicht den Luxus einer kostenlosen Jet-Fahrt nach Hause und einer schicken Ferienwohnung. Ich wurde gerügt, weil ich mich geweigert hatte, auch Samstags zu arbeiten. Langsam begann ich mich zu fragen, ob dies der war, der ich wirklich war. Und ich fühlte mich schuldig! Ich fühlte mich ungerecht behandelt. Wie konnte ich so glücklich und zufrieden werden? Gar nicht, ich musste mich erst wieder selbst finden.

Maschinenschlosser war nur ein Job. Aber ICH bin kein Job. Ich bin mehr als die Arbeit, die ich mache. Durch diesen Prozess wurde mir langsam klar, dass ich mit meiner Arbeit nicht zufrieden war. Wenn ich das "System" -Spiel nicht mehr mitspielen wollte, könnte ich unabhängig und frei werden. Es gab plötzlich eine Trennung zwischen dem und der Art, wie ich mich im Leben sah und wie ich die ganze Zeit gewesen bin. Ich musste ein bisschen weggehen und mir erlauben, mich in einem ganz anderen Licht zu sehen. Wir haben nämlich ein Umfeld geschaffen, in dem Arbeit unsere Leidenschaft sein muss. Konfuzius sagte: "Wähle einen Job, den Du liebst, und Du musst nie einen Tag in Deinem Leben arbeiten."

Aber ich hatte Angst, dass ich als schwach angesehen würde oder die Leute denken würden, dass ich es nicht schaffen könnte. Unser Selbstwertgefühl und unsere Identität sind in das eingepackt, was wir tun. Ich begann den langen, langwierigen Prozess, mich vom Maschinenschlosser, der in einer Fabrik arbeitete, zu trennen. Mir wurde klar, dass es mir unangenehm war, mich Maschinenschlosser zu nennen, weil ich im Grunde meines Herzens keiner war. Und ja, ich hatte Mühe, meinen Titel, was und wer ich wirklich war, für andere zu definieren, weil ich nicht wirklich begreifen konnte, was ich wirklich war.

Also fing ich an aufzuschreiben, wer ich wirklich war, was mich ausmachte, wo meine Leidenschaften liegen, wo meine tatsächlichen Fertig- und Fähigkeiten liegen, welche Begabungen und Neigungen ich habe und was mich wirklich begeistert und motiviert. Und so schrieb ich auf: "Ich bin ein Mann, der Geschichten erzählen kann, der anderen Menschen helfen mag und noch wichtiger, der begeistern, motivieren und anstecken kann.

„Authentizität ist eine Sammlung von Entscheidungen, die wir jeden Tag treffen müssen. Es geht um die Wahl, sich zu zeigen und real zu sein. Die Wahl, um ehrlich zu sein. Die Wahl, unser wahres Selbst scheinen zu lassen.“  Brene Brown

Sich durch unsere Arbeit zu identifizieren ist wie zu versuchen, einen Becher mit dem Ozean zu füllen. Irgendwann wird der Ozean den Becher überwältigen, wir werden nass bleiben und uns schlecht fühlen. Deswegen wenn Du das nächste Mal nach der Pandemie auf einer Party bist und jemanden kennenlernst, frage vielleicht nicht: "Was machst Du?" Frage lieber stattdessen: "Wer bist du?" Schaffe den Raum, um die reale, ganze Person zu treffen; die Person, die groß, tief und voller Wunder für die Welt ist.Denn jeder Mensch ist mehr als nur sein Job!
Viel Erfolg beim Umsetzen.


 

 

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